Pro: Sozialabgaben auf Maschinen


Als der Himmel noch voller Ozon war, das Feuer gerade entdeckt wurde und die Erdbevölkerung gerade einmal ihr Dorf kannte, da war die Welt noch in Ordnung. Heute kennen viele auch nur ihr Dorf, Feuer braucht man nur noch, um sich eine Zig anzuzünden und Ozon ist im Grunde egal. Ganz ohne Ozon wird es deutlich wärmer werden, aber darüber soll es jetzt nicht gehen.

 

Der Mensch ist geprägt durch einen unerschöpflichen Antrieb sich selbst weiterzuentwickeln. Pisa hat gezeigt, dass Weiterentwicklung nicht Fortschritt bedeuten muss, aber immerhin hat der Mensch ja erstaunliche Dinge vollbracht. Er ist zum Mond geflogen und wieder zurückgekommen; er hat Atome gespalten, um Wasser zu erwärmen; er hat Gesetze und eine Wirtschaft entwickelt und er hat Maschinen gebaut, die größer und mächtiger sind als er selbst. Das alles ist ja nicht nur entstanden, weil der Mensch sonst nichts mit seiner Zeit anzufangen weiß. Gerade Maschinen sind entstanden, um den Menschen bei Arbeiten gezielt zu ersetzen. Sei es aus gesundheitlichen Gründen (z.B. Bergbau, Sprengkommando), aus Bequemlichkeit (z.B. Routinearbeiten) oder um Fehler zu vermeiden (z.B. Autopiloten). Der Prozess der Industrialisierung hat dem Mensch eine Menge Möglichkeiten gegeben, Maschinen für sich arbeiten zu lassen, nicht zuletzt auch mit dem Ziel mehr Freizeit zu haben. Nun kann man sich Arbeiten gehen und Freizeit haben vorstellen, wie zwei gleich geladene Teilchen, die sich aber so was von abstoßen, da geht kein Weg der Vereinigung ran. Blöderweise sind viele Menschen aber gezwungen durch Arbeit Geld zu verdienen und somit keine Freizeit zu haben. Andersherum habe viele kein Geld aber dafür Freizeit. Bei Extreme dieser Skala sind irgendwie unbefriedigend und scheinbar gibt es für die Mehrheit der Menschen auch kein richtiges Mittelmaß. Warum ist das so?

 

Die Maschinen haben den Mensch in vielen Bereichen ersetzt, nur nicht im Geld verdienen? Schließlich schafft eine Maschine einen Mehrwert, der vorher von einem oder mehreren Menschen geschaffen wurde. Dieser Mehrwert wird verkauft und anstelle der Menschen verdient jetzt die Maschine das Geld. Moment, hier stimmt doch was nicht! Maschinen haben doch gar kein Girokonto! Seit wann verdient eine Maschine Geld? Man sagt zwar "Die Maschine hat ihr Geld verdient." aber man meint damit "Der Maschinenbesitzer hat seine Kosten für die Maschine gedeckt und verdient jetzt Geld". Und die Menschen, die es geschafft haben endlich ihre Arbeit von einer Maschinen machen zulassen, um mehr Freizeit zu haben, suchen neue Arbeit. Man nennt sich dann "Arbeitssuchender", hat jede Menge Zeit aber kein Geld, irgendwie blöd.

 

Dankbarer Weise leben wir in einen Sozialstaat, auch ein Wortentfremdungsbeispiel für sozial, hier ist aber Deutschland gemeint. In dem alle Nichtarbeitssuchenden unter andern den Arbeitssuchenden etwas abgeben, damit die Arbeitssuchenden sich Arbeit suchen können. Aber wieso soll jemand der es gerade geschafft hat, "SEINE" Arbeit von einer Maschine machen zu lassen, sich neue Arbeit suchen? Das macht doch keinen Sinn. Wieso kann die Maschine nicht das Geld verdienen und dann zusammen mit den Nichtarbeitssuchenden (also die, die es bis heute noch nicht geschafft haben, ein Maschine für sich zu bauen) den Sozialstaat am Leben erhalten?

 

Tja, die Antwort ist ganz einfach: In meiner Auffassung ist Deutschland mehr Kapital- als Sozialstaat und dort wo Kapital den Ton angibt, ist kein Platz für Sozialität. 


sehr guter text!! lustig aber dennoch sehr gut aufgebaut und voller richtigkeit!!!!

Ich denk im Ansatz ist es nicht richtig zu denken, dass Maschinen entwickelt wurden um Freizeit zu schaffen

Die Maschinen und Erfindungen die in Zeiten der Industrialisierung und davor entwickelt wurden, waren ja nicht dafür da, dass man mehr Freizeit hatte, sondern eher, dass man mehr "freie" Zeit hatte um diese in andere sinnvolle Entwicklungen oder Produktionen zu investieren und sich nebenbei natürlich auch noch die wirklich schweren Arbeiten abnehmen zu lassen. Das hat ja prinzipiell funktioniert. Durch eine gute Erfindung hatte man mehr Zeit weitere tolle Sachen zu produzieren und zu erfinden.

Ein Großteil der Maschinen, die heutzutage in den Fabriken stehen oder dafür entwickelt werden, dienen ja in erster Linie finanzwirtschaftlichen Zwecken. Der gute Mensch, Ingenieur genannt, der sich diese tollen Teile ausdenkt, hat wohl weniger den Drang danach dem Herrn Knödel am "Fließbandarbeitsplatz Nr. 7" mehr Zeit für seine Seelen-Pflege zu verschaffen, als mehr dem Herrn Kloß aus "Verwaltungsgebäude D" einen Gefallen zu tun. In Fachkreisen wird da von Einsparung gesprochen. Bei Einführung von Sozialabgaben für Maschinen würde genau diese aber ihren Sinn und Zweck nicht mehr erfüllen: Geld sparen. Es ist ja nicht so, dass die Maschine nichts kostet. Das was monatlich bei Herrn Knödel aufs Girokonto einging, geht jetzt per einmaliger Großinvestition auf das Konto vom Ingenieur. Damit die Maschine nicht "krank" wird gibts dann im Monat noch einen kleinen Zuschuss für den Ingenieur, damit der immermal nach der Maschine schaut. Das der Herr Knödel jetzt eine "Zwangsfreizeit" hat, interessiert dabei niemanden.

Um jetzt den ursprünglichen Gedanken der Schaffung "anders nutzbarer" Zeit wieder aufzugreifen, könnte o.g. Herr Knödel seine Arbeitskraft bzw. "freie" Zeit ja an anderer Stelle in anderen Unternehmen einsetzen. Das Problem ist nur, dass dort auch so eine Art Herr Kloß sitzt, mit den gleichen kapitalistischen Gedanken. Das heisst alle Herr und natürlich auch Frau Knödels können sich treffen und eine "Arbeit" suchen, die noch nicht, oder nicht ausreichend gemacht wird, davon gibts es ja genug ... zum Beispiel Stempelkissen reinigen oder so.

Da ist nur noch das elementare Problem, dass Menschen ja an sich auch nicht mehr "sozial" denken (können) und die Arbeit nicht machen um ihre "freie" Zeit damit aufzufüllen oder jemandem etwas Gutes zu tun, sondern damit sie Geld dafür kriegen um ihre ach so vielen menschlichen Bedürfnisse zu befriedigen. Das heißt, der Herr Knödel muss noch jemanden finden, der gerade ein dreckiges Stempelkissen hat, was gereinigt werden muss. Einige Ich-AGler und Freischaffende machen dies zum Teil ja sehr gut. Sie suchen Leute, die ihre Dienstleistungen benötigen.

Im Großen und Ganzen komm ich auf folgende Schlüsse:
  1. Die Entwicklung hat uns über den Zenit hinausgetragen ... wir haben nichts Sinnvolles mehr zu tun, was es jemandem Wert wäre dafür zu bezahlen.
  2. Die Entwicklung einer Maschine hatte noch nie einen sozialen Hintergedanken.
  3. Statistisch hat man das Ziel "weniger Arbeit" wahrscheinlich erreicht, nur die Verteilung hat sich weniger "sozial" als eher "kapitalistisch" entwickelt. Aber wahrscheinlich wollten das alle so, oder wir waren einfach zu sehr mit uns beschäftigt um das zu merken.
  4. Es ist illusionär zu glauben, dass Menschen die Fähigkeit haben einen gut funktionierenden Sozialstaat am Leben zu erhalten. Dafür ist der Mensch zu egoistisch und wettbewerbsorientiert. Für mich aber kein Grund mein soziales Denken, und manchmal auch Handeln, aufzugeben.