G8 Rostock!


Hi, der folgende Text stammt aus de.indymedi.org und ist einer von den Texten die den gestriegen Tag so beschreiben wie ich es erlebt habe. Bemerkungen und Inhalte die von mir stammen sind Kursiv gekennzeichnet. Nach meiner Einschätzung nahmen an der Demo+Endkundgebung 50 bis 80 Tausend Teilnehmer teil. Als ich meine Begleitung verlohr, musste ich für 15min stehen bleiben um zu warten. In dieser gesamten zeit zogen unglaubliche Menschenmassen an mir vorbei und ein Anfang oder ende der Demo war nicht aus zu machen. Zu Beginn der Demo, die ab 13 Uhr in zwei Zügen durch Rostock verlief, schien ein gewisser Grundkonsens vorzuherrschen gegen das repressive Verhalten der Polizei. Die hatte erst gestern Morgen einen strategischen Erfolg erzielt, als das Oberverwaltungsgericht Mecklenburg-Vorpommerns das Demoverbot nicht nur gegen die NPD in Schwerin, sondern auch gegen die geplante Antifa-Gegendemo durchsetzte. Im Vorfeld der Demo in Rostock musste sich die globalisierungskritische Gruppe Attac noch mit der Bundespolizei herumstreiten, weil die 15 Beamtinnen für jeden Sonderzug nach Rostock abstellen wollte. Diese Zahl sank später auf zwei Personen in zivil. Auch die Durchsuchungen der Bundesanwaltschaft in verschiedenen linken Freiräumen im norddeutschen Raum Anfang Mai, die einhellig aus vielen Protestspektren kritisiert wurden, waren den TeilnehmerInnen gestern noch gut in Erinnerung.

Der friedliche Beginn der Demo passte so gut ins Bild. Auf der Auftaktkundgebung wurden verschiedene thematische Schwerpunkte gesetzt: Ewa Hinca von den „Euromärschen“ in Polen kritisierte die Vernichtung von Arbeitsplätzen durch neoliberale Privatisierungsprogramme. Europaabgeordneter Tobias Pflüger verurteilte die Kriegsgewinne der G8-Staaten, die laut Pflüger für 90 Prozent der weltweiten Rüstungsausgaben verantwortlich sind und mahnte vor Kriegsplänen gegen den Iran. Auch um die Themen "Faire Handelsbeziehungen", "Schuldenerlass für die Ärmsten Staaten der Welt" und "Nachhaltige Energiepolitik“ ging es.

Es gab verschiedene Blöcke auf der Demo, vom obligatorischen Black Block (mehrere tausend Menschen) hin zu Personen der Umweltbewegung, von Attac und Entwicklungsorganisationen. Eine Sambagruppe spielte in der Demo und im vorderen Bereich war die Kampagne „Gerechtigkeit jetzt“ mit überdimensionierten Pappfiguren der acht Leitfiguren des diesjährigen G8-Gipfels vertreten. Dutzende Großpuppen waren deutlich im Demozug zu sehen.
 

Traurig war das Bild welches diese Stadt darbot. Aus Angst vor Randalismus waren viele Fensterscheiben/Schaufenster eingeholzt, die übriegen Schaufenster waren leer und alle Geschäfte waren zu. Bis auf wenige Personen in den Fenstern, war die Stadt wie ausgestorben.

Gegen 15.00 Uhr kippte die Stimmung, nachdem die Polizei ohne erkennbaren Grund den Make-Capitalism-History Block angriff.

 

(Der Grund für diesen Angriff liegt wahrscheinlich in einer Auseinandersetzung von Leuten aus der Demo, gegenüber einem leeren Polizeiauto und einem Polizeikamerateam. Es gibt verschiedene Erklärungsversuche hier für. (de.indymedia.org/2007/06/180117.shtml) Dem Gerücht das es Staatsmänner waren schenke ich keine Aufmerksamkeit, obwohl es Aussagen gibt die das bestätigen könnten (auch Bilder, wie Leute mit Flaschen aus einem Polizeiblock kamen).  Ich Teile die Auffassung das es Rechtsautonome waren, von denen ich glaube selbst drei gesehen zu haben. Diese drei Typen kamen mir echt spanisch vor. Sie trugen „linksautonome“ Klamotten, jedoch ohne übliche Buttons oder Aufnäher. Sie waren sehr groß und benahmen sich wie Proleten. Es war mir unangenehm mich in ihrer Nähe auf zu halten. So etwas kenne ich üblicher weise nicht von Leuten des Schwarzenblocks. Ich möchte jedoch nicht ausschließen dass es auch linksautonome waren.)

Zu Konfrontationen kam es, als der Zug den Rostocker Hafen erreichte, wo eine der Abschlussveranstaltungen geplant war. Hier drängte die Polizei in den Block und spaltete ihn.

 (Zu diesem Zeitpunk war ich mittig auf dem Festgelände und der besagte Block stand am Rande des Platzes.) 

Dabei schlug sie wahllos auf Personen ein, entsprechende Reaktionen in Form von Wurfgeschossen blieben nicht aus.

 (Als es misslang dem Block zu isolieren strömten die Beamten auf das Gelände und es entstand eine art Massenpanik. 10tausende begannen zu rennen! Ich blieb mit meinen Begleitern erst einmal stehen, da ich annahm in mitten des Festplatzes sicher zu sein. Als ich jedoch bei den Massen, plötzlich Polizeihelme sah, rannten wir auch. Wir waren erst eine halbe stunde da und wurden schon bedrängt. Ich möchte festhalten dass Mädels, Kinder und Alte auf dem Platz waren und eine art Volksfeststimmung herrschte, mit vielen Bratwurst und Bierständen.) 

Zu diesem Zeitpunkt waren fünf Verletzungen und zehn Festnahmen nach unbestätigten Berichten bekannt. Von der Veranstaltungsleitung wurde die Demonstration zu diesem Zeitpunkt als beendet erklärt. Die DemonstrantInnen versuchten, die Situation zu entschärfen, indem sie mit erhobenen Händen auf die Polizei zugingen. Dadurch beruhigte sich die Lage etwas.

 

(Die Polizei zog auch ihre Hubschreiber etwas zurück, welche die gesamte zeit ca. 50m über dem Festgelände schwebten. Eine Nervenaufreibende, da sehr laute Angelegen heit!!! Daher konnte man die Bands (Juli, wir sind Helden…) und Redner auf der Bühne nicht hören.)

Später rückte die Polizei erneut in die Masse vor und wurde in diesem Fall einmal selbt von Menschenreihen umringt. Es flogen Steine, Flaschen und Stöcke auf die BeamtInnen.

 (Hier kommt auch das in den Medien gezeigte brennende Auto (ein Auto nicht Autos!!!) ins spiel und brennende Mülltonen. ) 

Dadurch kam es zu weiteren Auseinandersetzungen die im Einsatz von Tränengas durch die Polizei ihren vorläufigen Höhepunkt fanden.

 

(Es war nun eigendlich sehr ruhig und da wir uns langweilten (greenpeace hypte sich mal wieder selbst ;0)! ) beschlossen wir uns an den Rand zu setzen. Die Löscharbeiten waren nun beendet und ich wollte ein Foto vom Platz machen. Aufeinmal waren wir von Nebel eingenschlossen und Menschen rannten an uns vorbei. Ich atmete normal doch dann brannte mein Gesicht und Nase. Es war Reizgas! Ich Rannte mit einem meiner Begleiter zurück  ins Fest. Ich wusste nicht warum aber nun begann die Polizei wie eine Armee aufs Festgelende vorzurücken. Hier bemerkte ich auch das das Handynetz für ca. 20min ABGESCHALTET war!)

Inzwischen ging der Polizeieinsatz mit fünf Wasserwerfern auf dem Festgelände und drei zusätzlichen auf der Straße weiter, um brennende Barrikaden, bestehend aus einem Auto und Mülltonnen zu löschen. (Die Lage schien sich kurzzeitig etwas zu beruhigen, während die BesucherInnen der Veranstaltung in zwei größere Gruppen, durch Polizeieinheiten und deren Wasserwerfer, getrennt wurden. Die Polizei hatte mittlerweile die Zufahrtsstraßen in Richtung Innenstadt abgeriegelt, so dass Einheiten aus mehreren Bundesländern und von der Bundespolizei beschäftigt waren. Einige Zeit später waren Dunstwolken von Tränengas auf dem Festplatz auszumachen.

 

(Und das ist der Hammer, Reizgas in eine Menschenmenge von mehren 10tausend hinein zu feueren! Uns wurde die ganze sache zu heiß, daher beschlossen wir zum auto zurück zu gehen. Auf dem weg nach hause stellten wir fest, das es nicht wie üblich, zu randale in der Innenstadt kamm, sondern sich alles "nur" rund um Festgelände abspielte!)

In einer Polizeimitteilung wird das folgende Geschehen so beschrieben: „Am Stadthafen eskalierte die Lage. Aus dem ´Schwarzen Block´ heraus griffen militante Autonome massiv Polizeibeamte in ihrem Dienstfahrzeug an. Das Fahrzeug wurde schwer beschädigt, die Beamten konnten sich dem Angriff entziehen, wurden dabei aber erheblich verletzt. Parkende Fahrzeuge von Anwohnern wurden in der weiteren Folge umgestürzt und teilweise in Brand gesetzt.“ Laut der Polizeieinhei Kavala wurden 146 Beamte verletzt
.

Der Republikanische Anwaltsverein (RAV) hat hingegen der Polizei in Rostock brutales Verhalten und tätliche Angriffe auf Anwälte vorgeworfen. Der RAV kritsierte die gewalttätige Behinderung gekennzeichneter Demo-SanitäterInnen für verletzte DemonstrantInnen durch die Polizei. Auch die Arbeit des anwaltlichen Notdienstes sei massiv behindert worden. Bis zum Abend seien über 100 Verhaftungen in Rostock und ebenso viele Gewahrsamnamen von DemonstrantInnen in Schwerin bekannt geworden. Auch die Initiativen Dissent und die Campinski-Gruppe kritisierten das harte Vorgehen der Polizei. Campinski sprach von 156 verletzten DemoteilnehmerInnen.

Als besonders skurril beschreiben DemonstrantInnen die Abschlusskundgebung am Stadthafen mit anschließendem prominent besetztem Konzert. Während auf der Bühne mit mehrmaliger Unterbrechung Musik gemacht wurde, bedrängten die Polizei, Wasserwerfer und Räumpanzer permanent aus verschiedenen Richtungen die Menge. Auch viele an Gewaltaktionen Unbeteiligte bekamen so ihre Ladung Tränengas ab.
Später am Abend, gegen 19 Uhr, stoppte die Polizei erneut rund 200 Personen beim Fischereihafen fünf Wasserwerfern.

Als Reaktion auf die Gewaltaktionen am Tag distanzierte sich die Gruppe Attac gestern Abend von großen Teilen der ProtestteilnehmerInnen: „Es gibt keine Rechtfertigung für diese Angriffe“, sagte ein Attac-Sprecher und meinte damit die an den Ausschreitungen beteiligten AktivistInnen. An der Eskalation der Situation seien allerdings beide Seiten, also auch die Polizei, beteiligt gewesen.

Zum Schluß bleibt mir zu sagen das ich offt Angst hatte heil aus Rostock raus zu kommen, obwohl ich mich bewust nicht an Akktionen beteiliegt habe. Ich habe mich klein und schwach gefühlt, so als würde man ein Hase sein dem ein Wolf gegenüber seteht. Ebenso erschüttert bin ich darüber wie leicht Menschenrechte mit den Füßen gertreten werden können und es in den Medien als notwendig und harmlos dargestellt wird. Ich habe blutende und vor Reizgasschmerz weinende Hippies gesehn, die niemals einen stein in die Hand nehmen würden. Zudem erinnern mich Methoden, wie der einsatz von Zivilpolizei zum heraus greifen von Menschen, sehr stark an die DDR.


Bilder folgen!

 

Vielen Dank, Alter. Find gut, dass du es aus deiner Sicht bringst. Das mit dem Handynetz ist für mich (aus der Ferne) irgendwie beunruhigend - macht einem die Macht deutlich. Abgesehen von der offensichtlichen Macht der Exekutive natürlich und wie damit umgegangen wird. :o/

Man erwartet ja mittlerweile nix anderes mehr, aber schockiert ist man dennoch. Und da wundern sich Regierung und Polizei, dass Gewalt immer mehr zu nimmt. Jedes Tier, dass sich in die Enge getrieben fühlt und nicht weglaufen kann greift an. Wenn also permanent von allen Seiten die Bullen auf die Demonstranten gucken, ob die was komisches machen, kann ich mir gut vorstellen, dass sich ein paar Leute gereizt gegen diese Bullen auflehnen.
Je mehr ich darüber nachdenke, desto sicherer werde ich, dass dieses provokative Verhalten von den Bullen beabsichtigt ist. Da geh ich auch mit der These mit, dass Randalestifter aus den Bullenkreisen die Demonstranten unterlaufen.

Das Problem, dass ich zunehmend sehe ist, dass das Ganze Normalität erreicht, sprich keinen mehr wirklich anhebt, wenn er nicht selber dabei ist (mal die Situation nach nem halben Jahr betrachtet, siehe Genua). Es juckt ja schon keinen mehr, dass Demo ist. Wenn nix passiert kriegts keiner mit.

Kommen wir nun zur Auswertung unseres kleinen Tests "Demonstrationen nutzlos machen":
Genua - bestanden
Deutschland - mit Erfolg bestanden


Der Bericht lässt an schon längst vergangene Tage erinnern und suggeriert auch, was mit denen passiert, die sich für Freiheit und Frieden einsetzen, die die vorgegebenen Grenzen nicht akzeptieren oder den Begrenzern nicht vertrauen. Das unsere Oberhäupter sich wegsperren müssen, um miteinander zu reden, ist schon komisch. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die Grundfunktion der Globalisierung das Internet ist, und somit Lug und Betrug früher oder später auffliegt. Die Medienverdummung hält das Volk eben nicht mehr im Zaum.

 

http://politblog.blog.de/?tag=waffenexport

 

 

_\Dor Kommahnd0r/_


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