Von Türmen und Panzerschrott...


WE ab 23.08.02


Freitach:

Es war ein Freitag, wie kein anderer. Ich war mit Kollegen und Krasstin beim Kartfahren, und legte 30 Runden lang so richtig los. Natürlich immer mit dem Wissen im Hinterkopf, dass die Dödel genau wissen, wo ich bin, und sich mit der Fahrt von Chemnitz nach München Zeit lassen. Das haben sie dann auch - nicht mal 2 ½ Stunden! Aaargh! Das merkte ich, als ich mich schweißgebadet, bewegungsunfähig und in jedem Körperteil leidend aus dem Kart hebelte und zum Telefon kroch. Sieh an, schon fünf Anrufe. Und da kommt der sechste: Ah ja, ihr seid also schon da (ungläubiger Blick auf die Uhr). Ich komme auch bald. Sobald ich wieder gelernt habe zu laufen.
Zuhause angekommen (leidend, stark leidend) begrüßten mich Gejaule und großes Hallo aus dem vierten Stock - irgendjemand hatte die Bande reingelassen, wodurch auch das ganze Equipment schon oben war, was mir natürlich als leidendem alten Mann (bin grad 26 geworden) sehr entgegenkam. Einige langwierige Begrüßungszeremonien später fanden wir uns in der ordnungsgemäß aufgeräumten Bude wieder - Peg hatte schon zwei Tage vorher fluchtartig das Bundesland verlassen; sie weiß halt, was gut für sie ist, eine kluge Frau eben.

 

 

Ich verteilte noch schnell den obligatorischen Begrüßungszupfkuchen, den ich am Vormittag im Schweiße meines Angesichts mit allerhand Liebe zubereitete, und verdrückte mich unter die Dusche, um irgendwelche versteckten Lebensgeister zu erwecken, während um mich herum der Aufbautumult startete. Einigermaßen erfrischt beteiligte ich mich an selbigem, nahm meinen Geburtstags-Hanfwecker von Keimi freudig in Empfang (das Ticken macht mich noch wahnsinnig!) und schon begann das übliche Einstiegsritual: einige Runden Quake 3. Das wurde aber schnell verdrießlich, also sattelten wir auf WarCraft3 um. Okay, das Spiel ist eröffnet, ich.. ehm.. wo ist das Spiel? Ich seh nix, hallo! Hm, wenn das mal nicht schräch ist. Wir konnten es drehen und wenden wie wir wollten, ich kam einfach nicht ins Spiel, weil für mich keines da war. Ich konnte zwar auf die anderen Rechner zugreifen, die aber auf mich nicht. Und an einen Ping war schon gar nicht zu denken. Rotzmist. Hier ein kurzer Abriss der daraufhin folgenden Aktionen:

 

  • Alle Kabel drei- bis viermal gecheckt, ob sie denn auch wirklichwirklich sowohl im Switch als auch im Rechner steckten. Das taten sie.
  • 10.000 mal gebootet, in der Hoffnung, dass sich das schon selber wieder regelt.
  • 10.000 mal angepingt, in der Hoffnung, dass ein Booten die Sache schon wieder regelt.
  • Meine gesamte Netzwerk-Konfiguration inkl. DSL-Treiber, aller Protokolle und Karte selbst aus der Systemsteuerung geschmissen.
  • Weitere 10.000 mal gebootet, weil danach außer einem Bluescreen nix kam.
  • Meine gesamte Netzwerk-Konfiguration inkl. DSL-Treiber, aller Protokolle und Karte wieder in die Systemsteuerung geschmissen.
  • Quake 3 probiert, da ging's wunderbar.
  • DirectPlay probiert, da ging's mit Port-Definition wunderbar.
  • Verzweifelt, weil WarCraft3 trotzdem nicht wollte.

 

Tja, das wäre es dann eigentlich gewesen, aber unser Psycho (Gott habe ihn selig) kam auf einmal auf die grandiose Idee, dass vielleicht eine alte Firewall (schon lange deinstalliert) evtl. noch irgendwelche Leichen hinterlassen habe, die Ports blockiere. Nagut, ZoneAlarm noch mal druff, Ports freigeben, .. eh? Auf einmal pingt der Ping drauflos, als hätte er sein ganzes Leben nix anderes getan! Schnell, WarCraft3.. JAAAAAAAAAAAA!!! Hochdietassen! Jetzt geht's! Tatsächlich - das mistige ZoneAlarm hat mir die Ports gesperrt, obwohl restlos deinstalliert. Dafür ein herzhaftes FUCK YOU! in Richtung Zone Labs und endlich WarCraft 3 zocken!


Gegen Computergegner war schnell öde, also haben wir die Szenario-Map ausgegraben, und zu viert Manaroth fertiggemacht, während der Keimling a.) zuerst duschte und b.) dann unbedingt mitmachen wollte. Haa-Haa, ging nicht, weil maximal vier Spieler. Also Gevatter DSL bemüht und ein Rudel Karten ausm Netz gezogen. Zuerst Kaggs RPG probiert und eine ganze Weile auch gespielt, aber nachdem ständig irgendeiner zum falschen Zeitpunkt gestorben war (trotz meines heldenhaften Heiler-Einsatzes), haben wir's dann doch gelassen. Cool Snipers währte nur kurz, weil spaßfrei. Und dann kam Hero Arena: Helden aussuchen, aufmotzen, kämpfen, bis der Arzt kommt - geil! Schnell stießen wir an die 75-Frags-Grenze, also wurde der Editor bemüht, und eine kurze Sucherei später setzten wir den Wert radikal nach oben. Dadurch wird's zwar im Grunde auch sinnlos, weil die Helden spätestens ab 100 Frags dermaßen hochgezüchtet sind, dass auch der stärkste Widersacher nur wenige Schläge verträgt, aber das Gemetzel ist ansprechend unterhaltsam. Danach taten die Finger weh, also schlug ich a.) Pizza und b.) eine Runde Battlefield 1942 vor.

 

Hääää, wasndas, macht bestimmt keinen Spaß, zeig erst mal her. Nagut. Demo geladen, bisschen rumgeflogen, hey, das scheint ja Spaß zu machen, gib mal her. Kurze Rede: Eine Viertelstunde später befanden wir uns fast alle auf der Insel. "Fast" im Sinne von: Apoc und Smoe saßen dem berüchtigten 60-Hz-Bug auf, aber das Problem war schnell gelöst und alle machten die Insel unsicher. Vier Pizzen, etwas Wein, einen Dübel und unzählige schrottreife Flugzeuge, Schiffe, Panzer und Jeeps später war es a.) kurz vor acht Uhr früh und b.) wir uns einig, dass Battlefield verdammt geil ist! Und während Apoc und ich noch ein paar Runden in Moto GP drehten, beschlossen wir, dass es Heia-Zeit sei, weil wir ja auch nicht jünger werden.

 

 

Samstag

 

Knapp vier Stunden später dröhnte wildes Geballer und Motorenrumpeln aus dem Wohnzimmer, und erstickte jeglichen schönen Träumversuche erfolgreich im Keim. Also können wir ja auch rübergehen und mitzocken. Wir (Psycho und michse) verteilten uns wieder über die Karte und heizten den verdammten Imperialisten Apoc, Smoe und Bush-Keimling gehörig ein! Mit der Zeit klappten sogar einigermaßen punktgenaue Bombenwürfe und hinterhältige Verminung sehr gut, so dass die Zeit wie im Flug verging. Später, viel später, kam der Moment, an dem wir beschlossen, dass eine Runde Jailbreak nicht das verkehrteste wäre. Gesagt, gefraggt: Einige neue Maps und fünf Gegner (davon drei Nightmare, wir wollten uns nicht zu sehr langweilen) versprachen Spaß für ein paar Stunden. Doch danach kroch schon wieder der WarCraft3-Wurm in unser Bewusstsein, breitete sich fetter werdend aus und übernahm schließlich unseren Willen komplett. Was soll man machen? Genau, Tower Defense ausprobieren. Das Resultat war verheerend, denn letztendlich haben wir bis Sonntag, 6.30 Uhr nix anderes mehr gemacht, als Türmchen zu bauen, mehr Türmchen zu bauen, Freezer zu bauen, Helden und Medizinmänner zu erschaffen, Geld zu tauschen, etc. Es ist wirklich unglaublich: Das simpelste Spielprinzip der Welt (Immer stärkere Feinde kommen angedackelt, halte sie auf!), und dann solche taktische Tiefe! Unglaublich. Was für ein Spaß!

 

 

Sonntag

 

Wie wir schnell festellten, ist Tower Defense eigentlich für mindestens acht Spieler ausgelegt - spätestens ab Level 18 wird das überdeutlich! Da die computergesteuerten Mitspieler nix taugen (die machen nämlich genau nix), mussten wir uns eben anders behelfen: Ein wenig mehr Geld zum Start macht die Sache doch gleich fairer. Mit der Zeit entwickelten wir regelrechte Aufhalt-Strategien, bauten nicht mehr wahllos, sondern im Zick-Zack, errichteten Labyrinthe, in denen sich Landkämpfer verfingen und waren wahnsinnig stolz auf uns. Und nachdem wir dann auch endlich herausfanden, wie man Schemen entdeckt und Drachen im Allgemeinen erfolgreich aufhält, kamen wir auch endlich über Level 18 hinaus. Doch es half alles nichts: Die Blademaster (Level 25, 75000 Hitpoints pro Nase, Magie-resistent) sind einfach durch unsere Verteidigung gelatscht, als wäre da gar nichts. Auch vorher hat ein Kampf gegen vereinzelt durchkommende Gegner (beispielsweise Greifenreiter mit im Vergleich läppischen 62150 Hitpoints) mit knapp zehn Helden pro Mistkerl gut fünf Minuten gedauert - wie soll man das schaffen? Falls einer mal das Replay sehen will: Hier isses.

 

Danach war leider schon Feierabend, weil schon nach 16 Uhr. Peg war auch schon wieder eingetrudelt, und das traditionelle Abschiedessen bei Werner fand nicht statt - wir haben schon am Vortag keinen Tisch reserviert bekommen. Schweinewelt. Egal - saugeiles Wochenende, Jungens!